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Die Winterrehe, ihre Ursachen und wirkungsvolle Maßnahmen

Eigentlich ist der Begriff „Winterrehe“ nicht korrekt, wenn auch die Symptome oft ähnlich der Hufrehe sind. Passender wäre „Kälte induzierte Schmerzen im Huf“.
Gefrorener, unebener Boden kann Pferde klamm gehen lassen und fühlig machen. Bei der Winterrehe handelt es sich aber um etwas anderes.

Kälte kann starke Schmerzen in den Hufen verursachen. Das lässt sich aber mit meist vermeiden, wenn man im Voraus plant und handelt.
Gesunde Pferde werden durch tiefe Temperaturen oft energetisiert. Vorbelastete Pferde können schon ab Temperaturen von 4,4 ° C leiden. Steigen die Temperaturen dann wieder über diesen Wert, geht es diesen Pferden schnell wieder besser.

Woher kommt der Name Winterrehe?
Die Schwere der Symptome und das häufige Verweigern jeglicher Bewegung ließ den Namen Winterrehe entstehen. Typischerweise gibt es aber weder Anzeichen für eine Entzündung im Huf noch im Röntgenbild nachweisbare Veränderungen. Vielmehr scheinen die Hufe nicht in der Lage zu sein, die durch die Kälte verminderte Durchblutung zu kompensieren.

Welche Pferde sind anfällig für die Winterrehe?
Eine Vorgeschichte von Hufrehe und/oder zumindest vermuteter Insulin Resistenz findet sich laut Dr. Kellon bei allen Pferden mit Winterrehe. Hohe Cortisolwerte bei Pferden mit Insulin Resistenz und PPID sind Risikofaktoren für Kälte induzierte Schmerzen im Huf. Cortisol verstärkt drastisch die Reaktion im Huf auf Vasokonstriktoren. Vasokonstriktoren sind Botenstoffe, welche zur Verengung der Gefäße führen. Insulin erweitert normalerweise die Gefäße. Diese Reaktion des Körpers auf Insulin könnte bei der Insulin Resistenz allerdings blockiert sein.

Reaktion gesunder Pferde auf kaltes Wetter
Kaltes Wetter reduziert normalerweise die Durchblutung der Beine und Hufe, weshalb das Hornwachstum im Winter auch geringer ist. Im Huf befindet sich ein Netzwerk arteriovenöser Shunts, welche Umleitungen für das Blut darstellen, wenn bestimmte Stellen von der Durchblutung abgetrennt werden sollen. Über die arteriovenösen Shunts wird das Blut wieder dem venösen System zugeführt. Kälte verursacht ein reflexartiges Öffnen dieser Shunts, um das Blut schneller zurück zum Herz zu bringen und so die Kerntemperatur bei kaltem Wetter konstant zu halten.

Bei gesunden Pferden werden die Shunts durch selbst-regulierende homöostatische Mechanismen regelmäßig geschlossen, um Sauerstoff und Nährstofflevels im Gewebe hoch genug zu halten.
Dieser Prozess scheint bei bestimmten Pferden nicht stattzufinden, wodurch die von der Durchblutung abgeschnittenen Gewebe massiv unterversorgt werden. Diese These wird bestätigt durch die Erfolge, wenn Durchblutung fördernde Maßnahmen unternommen werden.  Es existiert auch die Hypothese, dass durch eine überstandene Hufrehe die Shunts vorgeschädigt sind und ihre thermoregulierenden Aufgaben im Winter deshalb nicht mehr physiologisch ausführen können.

Prophylaktische Maßnahmen gegen Symptome der Winterrehe:
Behalte das Thermometer und die Wettervorhersage im Auge. 4,4° C scheint die Schwelle zu sein.

Stelle sicher, dass die Ernährung deines Pferdes arm an Zucker und Stärke ist, aber genug Heu und im Heu fehlende Mineralien und Spurenelemente beinhaltet.

Packe dein Pferd warm ein. Isolierte Hufschuhe, warme Gamaschen bis zum Kronrand und evtl. eine Decke.

Lasse dein Pferd nicht länger auf Beton stehen, er entzieht ihm Wärme. Stell dir vor, wie du dich in Gummistiefeln auf Beton fühlst.

Manche Pferde mögen tiefe Einstreu für mehr Isolierung, auch wenn sie sich legen.

Probiere die Nahrungsergänzungen Jiaogulan, Arginin und Citrullin aus. Starte mit 1 TL Jiaogulan 2x tgl. und erhöhe die Menge, wenn nötig, bis das Zahnfleisch kräftiger gefärbt ist.

Prof. Bowkers Theorie über die Winterrehe ist, dass bei gesunden Pferden ohne Stoffwechselproblem ein degenerierter Huf als Vorbedingung für das Auftreten der Winterrehe vorhanden ist, welcher nicht ausreichend durchblutet ist.